g3 Magazine-Interview mit Lena Headey (März 2006)
Ehrliche Lena Headey.
Jennifer Kilchenmann unterhält sich für G3 mit dem herrlich aufrichtigen britischen Star.
Es ist ein makelloser, sonniger Morgen in der schicken und modischen Marylebone High Street. Ich treffe mich mit Lena Headey, dem Star des lesbischen Liebesfests Imagine Me & You, im gesundheitsbewussten Aveda Café. Sie begrüßt mich mit einem umwerfenden Lächeln und einem wahrhaft ehrlichen und festen Händedruck. Lena erklärt, dass sie kürzlich von einer Reise nach Indien und einer Reihe von Presseterminen in New York zurückgekehrt ist. Mit Hinweis auf ihre sonnengebräunte Haut - und ganz in britischer Art - beginnt unser Gespräch mit dem Wetter und wie verdammt kalt es ist. "Ich war dem Gedanken, mich warm anzuziehen, gegenüber ziemlich ausgeschlossen", sagt sie. "Aber das ist jetzt vorbei."
Lena ist eine von Englands talentiertesten Schauspielerinnen, jedoch irgendwie zugleich Englands bestgehütetes Geheimnis. "Vielleicht habe ich mich, als ich jünger war, nicht so sehr ins Zeug gelegt wie andere. Ich war mehr daran interessiert, mein Leben zu leben und beschloss, es auf meine eigene Art zu machen!" Sie stieg in ihren späten Teenagerjahren in den Beruf ein, nachdem sie bei einer Schulaufführung am National Theatre "entdeckt" worden war. Seitdem hat sie in über 30 Filmen sowie einer Reihe von TV-Sendungen mitgespielt. Imagine Me & You-Regisseur Ol Parker meinte kürzlich über Headey: "Sie ist schön, ehrlich und hinreißend, ohne Eitelkeit oder Verstellung, außergewöhnlich clever." In Anbetracht dieses Treffens muss ich dem voll und ganz zustimmen. Was Lena so außergewöhnlich macht, ist ihre instinktive Herangehensweise, die Art, wie sie mit Aufrichtigkeit und Realitätssinn einfach mit ihrer Figur verschmilzt. Ihre bislang bewegendste Rolle, eine von der Lena selbst immer noch begeistert ist, ist die von Kaisa in Aberdeen. "Ich bin immer noch traurig, dass Aberdeen nie in Großbritannien veröffentlicht wurde. Auf diesen Film bin ich wahrscheinlich am stolzesten. Es war eine tolle Erfahrung."
Umgeben von großer Aufregung wird am 31. März Imagine Me & You veröffentlicht, eine liebenswürdige britische Romantikkomödie, in der sich alles um Liebe auf den ersten Blick dreht. Der Film liegt Lena sehr am Herzen: "Jeder Einzelne darin ist einfach so liebenswürdig. Ich hatte schon lange nicht mehr ein vergleichbares Gefühl hinsichtlich eines Projekts." Ol Parker ist es gelungen, Romantik, Realismus und Witz in einem Film zu verbinden. Er hat zudem großes Glück mit seinen beiden Hauptdarstellerinnen gehabt, zwischen denen auf der Leinwand eine unglaubliche Chemie herrscht. Headey und Perabo lernten sich am Set von The Cave kennen, einem Film, den beide gerne vergessen würden. Lena erinnert sich gerne daran, wie die Freundschaft zwischen ihr und Piper sich aus der zwangsläufigen Verbindung bei "ziemlich grauenvollen und feuchten Dreharbeiten in Rumänien" entwickelte. Sie gesteht, dass sie sich einsam fühlte, nachdem Piper das Set vor ihr verließ. "Das waren die längsten zwei Wochen. Ich war so sauer auf sie." Lena hat ihre Lektion in Sachen überwiegend Männer-fokussierte Großproduktionen gelernt. Bezüglich The Brothers Grimm gibt sie zu: "Lieber bohre ich mir eigenhändig einen Pfeil durch den Körper, als dass ich das noch mal durchmache! Es war wie eine Beziehung, in der man weiß, man ist unerwünscht!"
Während Lena eine ziemlich grüne, ungemein gesunde Suppe löffelt, erzählt sie mir, wie es ist, in Los Angeles zu Vorsprechen zu gehen. "Es gibt dort immer diese wirklich schönen Frauen, die draußen Schlange stehen. Und ich denke mir - oh mein Gott, ich komme mir vor, wie der allergrößte Wildfang!" Um ehrlich zu sein, sie ist ein bisschen wild. Ich meine, würden diese Los Angeles-Mädels mit Boxen anfangen? "Ich hatte eine Phase, in der ich es fast täglich machte! Einmal dachte ich - verdammt, wenn alles schief läuft, zerboxe ich mir mein Gesicht im Ring! Vielleicht bekomme ich dann mehr Rollenangebote!", scherzt sie. Abgesehen davon, dass sie boxt, hat sie mit Gedanken gespielt, Ärztin zu werden. "Ich dachte mir, ich habe noch Zeit. Ich könnte etwas machen, was der Welt mehr nutzt. Aber ich bin faul und das ist ein richtiger Job!" Während sich die PR-Frau dem Tisch nähert, werde ich noch meine letzte Frage los (für alle, die sich inzwischen in sie verliebt haben): "Also Lena," sage ich, "besteht die Chance, dass du dich jemals in eine Frau verliebst?" Ein Lächeln macht sich auf ihrem Gesicht breit. "Ich würde niemals nie sagen. Ich meine, es ist mir vermutlich hier und da schon passiert..." Sorry Mädels, das ist der Jargon für Ich bin hetero, aber man muss sie dafür lieben, dass sie die Tür offen hält.
